Die
Zukunft der Vergangenheit
Die
Stadt Wunstorf hat 1995 einen Antrag zur
Anerkennung der „Revitalisierung des
Scheunenviertels in Steinhude“ als dezentrales
Projekt zur Weltausstellung EXPO 2000 in
Hannover gestellt. Am 29. Juli 1997 wurde es von
der EXPO 2000 Hannover GmbH registriert. Wie
alle registrierten Projekte erfüllt es
Kriterien, wie gute Erreichbarkeit für
Besucher, sinnvolle Nutzung nach der EXPO, für
das Publikum der Weltausstellung interessant,
finanzierbar und für Kooperationspartner aus
der Wirtschaft geeignet. Mit Datum vom 16.
Dezember 1999 ist die Urkunde zur Anerkennung
des weltweiten Projekts für die Stadt Wunstorf
ausgestellt worden.
Damit
ist das Projekt „Revitalisierung des
Scheunenviertels in Steinhude“ als dezentrales
Exponat der Weltausstellung in Hannover
anerkannt worden.
Inhaltliche
Leitlinie für die EXPO 2000 war die Agenda 21,
das auf dem 1. Umweltgipfel 1992 in Rio de
Janeiro verabschiedete Handlungsprogramm für
das 21. Jahrhundert. Darin verpflichteten sich
die 179 Unterzeichnerstaaten dem Prinzip der
nachhaltigen Entwicklung. Dies bedeutet
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale
Verantwortung und ressourcenschonendes
Verhalten. Ziel war es, die Bedürfnisse der
Gegenwart zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten
zukünftiger Generationen zu beschränken.
Das
EXPO-Projekt konzentrierte sich auf sieben
bestehende Scheunen, die renoviert wurden,
und sechs Plätze, auf denen Scheunen, drei
davon ausschließlich mit historischen
Materialien, errichtet wurden. Im Rahmen des
EXPO-Projekts ist eine Anlage von insgesamt 13
Scheunen in sieben Baugruppen behutsam
wiederhergestellt worden. Durch den Wiederaufbau
der historischen Scheunen wurde eine
Neuerrichtung von Gebäuden überflüssig. Zusätzliche
Flächen mussten dicht versiegelt werden.
Aus
Gründen der Ressourcenschonung und
Nachhaltigkeit wurden zudem nur bestimmte
Materialien (z.B. langlebiges Eichenholz,
Tonziegel statt Betondachsteine, etc.) beim
Wiederaufbau und der Neuerrichtung der Scheunen
verwendet. Sie bestehen aus einem langen
schmalen Raum, der ehemaligen Durchfahrt und dem
sogenannten „Saal“. Die Durchfahrt wird in
der Vorder- und Rückfront durch ein torähnliches
Fensterelement dargestellt. Der nebenliegende
Saal ist ca. doppelt so groß und ist zur
Durchfahrt offen.
Die
Gebäude wurde auf Streifenfundamente mit einer
darauf befindlichen Rollschicht aus
Ziegelsteinen gestellt. Bei der Renovierung
wurden Schwell- und z.T. Rahmenhölzer sowie
Deckenbalken und Sparren erneuert. Das Fachwerk
wurde bei den historischen Scheunen mit original
erhaltenen Ziegelsteinen ausgemauert, erhaltene
Lehmgeflechtfächer wurden wieder eingesetzt,
wie bei den beiden Naturparkscheunen.
Die
Dächer sind mit original Ton-Hohlpfannen
eingedeckt. Das Regenwasser wird in
Kupferdachrinnen abgeleitet und versickert auf
dem Grundstück. Die Giebel von den Scheunen
„Am Graben“ wurden verbrettert und einige
haben unter dem First ein „Uhlenloch“ mit
dahinter befindlichem Brustkasten. Die
Fassadengestaltung der neuen Gebäude wurde den
Originalen aus dem 18. und 19. Jahrhundert
nachempfunden.
Eine
typische, dörfliche Anlage von Scheunen wurde
somit wiederhergestellt, allerdings nicht unter
musealen Aspekten, sondern um diese für
verschiedene „moderne“ Zwecke nutzen zu können.
Die Scheunen werden für Ausstellungs- und
Informationszwecke im Naturpark Steinhuder Meer
genutzt. |